Ostseeküstenradweg: Stralsund -> Hamburg

Radurlaub 2006 

Auf dem Ostseeküstenradweg von Stralsund nach Hamburg

Einleitung

Die Idee war ein spontaner Urlaub mit Fahrrad und Gepäck. Wir wollten ca. eine Woche unterwegs sein und am Ende ein paar Tage in Hamburg bleiben. Für diesen Zweck hätte sich der Elberadweg von Dresden aus auch angeboten, aber wir wollten wieder an die Ostsee und so legten wir uns als Startpunkt Stralsund fest. Für die Route bot es sich an bis nach Lübeck auf dem ausgeschilderten Ostseeküstenradweg zu fahren, um dann von Lübeck aus nach Hamburg zu radeln.

Die Anreise erfolgte per Bahn mit dem Wochenendticket. Die Verbindungen sind ganz gut, die Fahrt mit zweimal Umsteigen dauert ca. 6,5 h. Uns war fast klar dass wir bei der Fahrtrichtung gen Westen wohl eher Gegenwind haben werden, aber etwas Hoffnung, dass wir uns irren, hatten wir noch.


1. Tag: Bhf. Dresden Neustadt – Bhf. Stralsund – Barth – Pruchten – Zingst

Los ging es am 19. August um 5:07 auf dem Bahnhof Dresden Neustadt. Noch ziemlich müde bepackten wir unsere Räder und fuhren zum Bahnhof. Hier angekommen hieß es erst mal Treppen steigen. Gar nicht so leicht mit so einem schweren Rad.



Voll gepackt verluden wir unsere beiden Drahtesel in die S-Bahn Richtung Coswig, um dort in die Regionalbahn nach Elsterwerda zu steigen. Dafür war es nötig den Bahnsteig zu wechseln. Also wieder Treppen runter, Treppen rauf … wir fragten uns ernsthaft was wohl so schwer ist in den Taschen.

Von Elsterwerda ging es dann direkt bis nach Stralsund, was uns die Gelegenheit zu einem kleinen Frühstück im Zug gab.



In Stralsund angekommen haben wir noch eine kleine Runde durch die Stadt gedreht,



und uns dann direkt auf den Weg über Barth und Pruchten Richtung Zingst gemacht.
Der dabei kräftig wehende Gegenwind ließ uns erahnen was uns in den nächsten Tagen erwartete. Alle die uns entgegen kamen rollten nur so locker dahin, logisch viel treten mussten sie auch nicht. Mit einem kleinen Segel hätten sie wohl sogar noch bremsen müssen.

Erstes kleines Mittagessen gab es dann in einem schönen kleinen Örtchen Namens Kinnbackenhagen.



Über Barth ging es dann direkt nach Zingst, wo wir nach kurzem Suchen das "Wellness – Camp Düne 6 fanden. Etwas erschöpft durften wir an der Rezeption erfahren dass die Übernachtung hier 26 EUR kostet. Und damit nicht genug, es kamen noch 2 EUR pro Person Kurtaxe hinzu. Macht zusammen schlappe 30 EUR für eine Nacht im Zelt. Ach und das Schwimmbad ist zurzeit leider geschlossen. Dafür wird es aber nicht billiger weil das Schwimmbad ja ein Gratisangebot des Platzes ist! Ist klar!!!

Nun der Zeltplatz an sich war recht nett.



Super Luxus Duschen mit automatischen Türen am Eingang (auf die wir auch verzichtet hätten) und mutierten Mücken die uns beim Abendessen zerstachen. Die Folgen davon hielten dann auch die ganze Woche an!

Nach dem Essen und Duschen gab es dann noch einen schönen Spaziergang am Strand und dazu einen schönen Sonnenuntergang.






2. Tag: Zingst – Prerow – Ahrenshoop – Dierhagen – Graal Müritz

Am nächsten Morgen schliefen wir aus, denn es regnete bis ca. 8.30 Uhr. Dann wurde gefrühstückt und gepackt. Gegen 12 Uhr ging es weiter. Ziel war Graal Müritz und so fuhren wir den Ostseeküsten Radweg entlang. Die Mückenstiche vom Vorabend brannten aber die Landschaft war trotzdem sehr schön.



Der tägliche Regenschauer ereilte uns leider schon beim Durchfahren von Graal Müritz, da hatten wir den Zeltplatz noch nicht erreicht. Es blieb also erst mal nichts übrig als abzuwarten, ob es schnell wieder aufhört.

Tat es leider nicht und so fuhren wir durch den Regen zum Zeltplatz, wo wir dann das Zelt unter einer Plane trocken aufbauten um uns dann darüber zu freuen, dass ein paar nette Nachbarn unsere Plane zum Grillen nutzten und uns sogar etwas abgaben. Damit war das Abendessen gesichert. Nun nur noch schnell geduscht und schon lagen wir im Zelt und schliefen gemütlich.




3. Tag: Graal M. – Warnemünde – Heiligendamm – Kühlungsborn – Meschendorf

Von Graal Müritz ging es weiter Richtung Markgrafenheide, um mit der Fähre nach Warnemünde überzusetzen. An der Mündung der Warnow lag ein riesiges Schiff vor Anker.

 

Wir machten unsere Mittagspause am stürmischen Strand, was uns die Gelegenheit gab unsere noch etwas feuchten Handtücher und Klamotten zu trocknen.



An der Steilküste entlang ->



 

erreichten wir Heiligendamm, wo uns die Übernachtung viel zu teuer erschien.

 

Wir radelten also weiter.

Auch in Kühlungsborn wollten wir nicht bleiben. Das Wort Kurtaxe geisterte noch durch unsere Köpfe und uns wollte nicht klar werden wofür wir diese eigentlich gezahlt haben.

Also ging es weiter bis nach Meschendorf. Nach einem kleinen Umweg erreichten wir einen Bauernhof, von dem uns vorher berichtet wurde, dass er auch Zeltplätze vermietet. Für 8 EUR pro Peron fanden wir hier eine schöne, ruhige Wiese und angenehme Duschen sowie einen trockenen Platz zum Abendessen, denn es gab mal wieder einen kräftigen Regenschauer. Zum Glück stand zu dem Zeitpunkt das Zelt bereits.




4. Tag: Meschendorf – Rerik – Boiensdorf – Wismar – Beckerwitz

Neuer Tag, neues Glück dachten wir uns und radelten weiter. Der Ostseeküstenradweg führte uns immer weiter an der Küste entlang. Manchmal auch etwas weiter vom Wasser entfernt durch verschlafene kleine Orte, die aber nicht minder schön waren. Windmühle in Boiensdorf:



So erreichten wir die Hansestadt Wismar. Sie kündigte sich uns schon mindestens 10 km vorher durch einen intensiven Holzgeruch an. Nicht dass uns das gestört hätte, aber dort wohnen wollten wir eher nicht. Die hiesige Holzindustrie hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt, wie wir im Nachhinein lesen konnten.
Das direkt daneben stehende Holzheizkraftwerk vermittelte jedoch den Eindruck das Holz hier nur zum heizen dient.

In der Stadt erreichten wir den Marktplatz wo wir uns für unsere Mittagspause niederließen.



Nach einem kleinen Abstecher auf die Seebrücke am Ortsausgang von Wismar ging es weiter.



Unser Tagesziel kannten wir noch nicht genau, wir waren auf der Suche nach einem schönen Zeltplatz in der Nähe und landeten in Beckerwitz auf einem schönen Platz mit dem klangvollen Namen "Liebeslaube". Laube wohl deshalb weil dieser Platz neben einer wirklich schönen Zeltwiese auch Platz für unglaublich viele Dauercamper bot, deren eigentliche Campingwagen fast alle unter einem festen Dach aus Holz standen. Alle mit einem stattlichen Anbau davor und dem obligatorischen Gartenzaun. Sehr skurril diese Mentalität. Aber jedem wie er es gerne mag. Wir waren uns jedenfalls einig, dass wir das nicht mögen.

 

Nach dem Aufbau des Zeltes ließ eine schwarze Wand am Himmel erahnen, dass der tägliche Regenschauer nicht mehr weit war. Der kam dann auch als wir gerade mit dem Essen fertig waren.

 

Danach wurde es aber gleich wieder schön und so konnten wir noch einen netten Spaziergang am Strand machen.






5. Tag: Beckerwitz – Boltenhagen – Travemünde – Ivendorf

Am nächsten Tag war das Ziel noch unklarer. Wir wussten, dass wir Lübeck erreichen können. Leider gibt es in dem Bereich nur sehr wenige Zeltplätze an der Ostsee. Da wir von Lübeck aus Richtung Hamburg weiter wollten, konnten wir also nur ein gutes Stück vor Lübeck Zelten oder erst wieder ein ziemliches Stück hinter der Stadt. Wir entschieden uns für die kürzere Variante und beschlossen am Abend noch ohne Gepäck in die Stadt zu fahren um gemütlich zu Abend zu essen.

Aber erst einmal ging es gegen 10.30 Uhr in Beckerwitz los. In Boltenhagen erwartete uns der tägliche Regen schon. Wir stellten uns unter und teilten unsere Prinzenkekse mit zwei kleinen Jungs die neben uns warteten und uns mit riesigen Augen beobachteten als wir die Kekse auspackten. Da bekamen wir natürlich Angst und gaben den beiden je einen Keks. Glücklicherweise hörte es dann bald auf zu regnen und so waren die beiden noch nicht ganz fertig als wir abfuhren. Sonst hätten sie uns wohl noch die Haare vom Kopf gefressen.

Wir kämpften uns also weiter durch den stürmischen Gegenwind und mussten uns noch mehrmals unterstellen.



Ein Stück weiter stand die Entscheidung an, ob wir weiter auf der wenig befahrenen aber gut asphaltierten Straße bleiben sollen oder doch lieber den ausgeschilderten Radweg zu nutzen.

Wir entschieden uns falsch, fuhren von der Straße ab und landeten auf einem Weg der mit der klassischen "Mecklenburger Schlaglochplatte" befestigt war.



Das war keine große Freude für Mensch und Maschine und der Drang mal kurz in den Wald zu gehen wurde permanent angeregt.



Also verließen wir den Weg wieder und kehrten auf die Straße zurück. Ein paar Kilometer weiter erreichten wir Priwall, von wo aus die Fähre nach Travemünde übersetzt.

Meine kleine Jacht lag dort vor Anker, aber Claudia wollte unbedingt weiter Rad fahren.



In Travemünde angekommen spürten wir immer noch die Wirkung unseres Aufenthalts im Wellness – Camp in der ersten Nacht. Genauer gesagt die Mückenstiche brannten noch immer an Claudias Beinen.



Aber der Zeltplatz war nicht mehr weit und so erreichten wir ihn auch bald um schnell unser Zelt aufzubauen und dann nach Lübeck zu fahren.

Leider dauerte das länger als erwartet. Wir mussten nämlich feststellen, dass statt der Brücke die in der Karte eingezeichnet war nur eine riesige Baustelle zu finden war. Und nach einer Ehrenrunde von gut 5 km sagte man uns, dass wir die Trave nur per Shuttlebus überqueren … nein eher unterqueren können. Es gibt da jetzt nämlich einen Tunnel. Durch diesen darf man nicht mit dem Rad fahren und ehrlich gesagt hätte ich das auch nicht gewollt. Der Shuttlebus war jedenfalls kostenlos. In der Stadt angekommen haben wir schön und gut gegessen und sind dann wieder zurück gefahren, nicht ohne eine weitere kleine Ehrenrunde!


6. Tag: Ivendorf – Lübeck – Bad Oldesloe – Hamburg Fuhlsbüttel

Am nächsten Tag machten wir uns dann auf um Hamburg zu erreichen. Also erst mal wieder durch Lübeck hindurch und zu dem Zweck noch mal rein in den kostenlosen Shuttlebus.



Und ab durch den Tunnel.



In Lübeck haben wir uns noch eine Weile umgesehen. Sehr schöne Stadt kann man nur sagen. Das berühmteste Wahrzeichen war zurzeit jedoch leider eingerüstet, das Holstentor.



Von nun an führte uns der Weg leider nur auf der relativ stark befahrenen Bundesstraße 75 nach Hamburg. Gegessen wurde an einer Bushaltestelle.

 

Uns fiel sofort auf, dass die Luft hier wesentlich schlechter war als die ganzen Tage zuvor an der See. Man musste mehr Husten und Nase putzen als an den ganzen Tagen vorher. Nicht besonders schön. Aber unser Ziel war nun mal Hamburg.

Erwähnenswert ist die Stadt Bad Oldesloe. Hier machten wir eine kleine Pause, um uns zu stärken.





Weiter ging es bis nach Bargteheide. Dort fuhren wir auf die Bundesstraße 434, denn wir wollten in den Norden von Hamburg. An einer Gabelung des Weges hielten wir an, um mal auf die Karte zu schauen und schon machte eine Frau neben uns eine Vollbremsung, um uns zu fragen ob sie helfen kann. Musste sie leider nicht mehr, da die Karte uns schon gesagt hat wie wir fahren mussten. Aber bedankt haben wir uns trotzdem. Sehr nette Menschen wohnen dort wohl. Das gleiche ist uns noch einige Male passiert.



Mit den letzten Kräften ging es nach Hamburg. Die letzten Kilometer ging es nur noch durch bewohntes Gebiet. Hamburg und die vielen Orte drum herum, bilden sicher eine völlig geschlossene Fläche. Da kam es sehr recht, dass uns Dirk (Claudias Bruder) entgegen kam und wir mit ihm das letzte Stück an der Alster entlang in die Stadt radelten. Das war dann wieder etwas schöner!

Und so erreichten wir am Donnerstag den 24.09. 2006 unser Ziel Hamburg.

Fazit

Wir sind bis hierhin etwa 420 km gefahren. Also ca. 70 km pro Tag mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 km/h. Wir haben festgestellt, dass es bei unserem Gepäck noch eine Menge Optimierungsbedarf gibt, das nächste Mal kommen wir bei einer Woche sicher mit einem drittel weniger Gepäck aus. Aber es hat viel Spaß gemacht.

Bei der nächsten Tour wird aber auch definitiv ein Ruhetag pro Woche eingeplant!!!